Mittwoch, 15. Juli 2015

Der wiederkehrende Traum


Ich bin mir nicht mehr sicher, wann genau ich diesen Traum das erste mal träumte, weil es zu einer Zeit war, wo ich schon versuchte alle Träume mit ihr zu ignorieren. Das lag zum einen daran, dass ich sie einfach nicht mehr in meinem Leben haben wollte und zum anderen, weil die meisten Träume nur mit Vorwürfen und Wutanfällen ihrerseits bestückt waren (ein paar davon hab ich immer noch im Kopf, obwohl sie Monate zurück liegen und ich sie nicht notierte). Aber dieser Traum war 'seltsam' denn das Ende schien offen zu sein. Auch war er sehr kurz und ich wachte jedes mal direkt danach auf. Das auffälligste war jedoch, dass er immer und immer wieder kam. Manchmal jede Nacht auf's neue! Ich glaube es fing im November oder Dezember 2014 an und es war fast jedes mal so:

Ich bin in einer Art Cafe oder Bar in Warschau. Es ist hellichter Tag. Etwa 5-6 Meter vor mir liegt der Eingang, rechts neben mir ist das Fenster. Das Fenster reicht vom Boden bis zu Decke und geht die komplette Wand entlang, fast bis zum Eingang. Wir sind an einem Tisch, aber man muss dort stehen, es sind keine Sitzplätze an den Tischen. Links von mir sind andere Tische, die in einer Sektion in der Mitte sind. In manchen Versionen dieses Traumes gab es daneben noch eine Sektion mit Tischen, in anderen war dort eine Wand. In der Version mit den weiteren Tischen, gab es in der Mitte Planzen, welche die einzelnen Tische etwas voneinander abgrenzen. Es ist alles sehr hell in dieser Bar. Neben mir ist niemand mit am Tisch, ich bin also ohne Begleitung gekommen. Jedoch traf ich mich seltsamerweise mit 2 Personen, die ich eigentlich gar nicht kenne bzw. zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich kannte.

Zum einen war es Izabella* die Journalistin ist und auch Fotografiert und zum anderen ihr Mann Wiktor* der professionaler Fotograf ist. Ich kenne beide durch Blogs, auf denen sie vor allem Fotos und Meldungen aus Warschau zeigten. Irgendwann fing einer der beiden mit einer Reihe von "Rate an welchem Ort ich mich gerade befinde"-Postings an (ich glaube Iza war die erste, woraufhin Wiktor irgendwann folgte und das selbe tat). Ich war oft derjenige, der als erster die exakte Position erraten hatte, meistens postete ich sogar ein Google-Satelite Foto, mit einem Pfeil der anzeigt, von wo genau dieses Foto geschossen wurde. Beide waren ziemlich baff, vor allem als ich sagte, dass ich die meisten Ecken wo sie die Fotos machten, niemals in Echt gesehen habe - Beide hielten es anfangs für einen Witz. "Aber woher kennst Du das dann?" tauchte daraufhin als Frage auf. Ich erklärte dass ich, lange bevor ich überhaupt (wieder) einen Fuß in diese Stadt setzte, alles an Informationen aufsaugte, was ich finden konnte. Ich wollte mich in dieser riesigen Stadt alleine zurecht-finden können, ohne dass ich irgendwann an einem Punkt bin wo ich nicht weiss, wie ich zurück komme. Da ich ein hervorragendes Bildergedächtnis habe, studierte ich die Stadt anhand von Google-Satelite, Google Streetview, Panoramio-Fotos (mit Positionsangabe) und schaute ebenfalls Cabview-Videos von Autobus- und Straßenbahn-fahrten, um mir die gesamte Gegend einzuprägen. Und so kam es, dass ich immer wieder sofort wusste, wo diese Fotos von Iza und Wiktor gemacht wurden. Ehrlich gesagt, war ich selbst überrascht darüber, wie gut ich darin bin.

Jedenfalls kamen wir nach einer Weile in's Gespräch. Mit Wiktor hab ich mehr Tech-Talk über Kameras gehabt und Iza hab ich öfter motiviert 'größer' zu werden und sich nicht über die Idioten aufzuregen, die sie nieder machen wollen. Aber als dieser Traum anfing, war das alles noch ein sehr loser Kontakt, deshalb verstand ich auch nicht, warum ich gerade mit den beiden in dieser Bar / Cafe bin. Anfangs hielt ich sie für 'Platzhalter' die manchmal in Träumen auftauchen, um Personen zu ersetzen die man noch nicht kennt. Wir unterhielten uns, teilweise auf Polnisch, zum Großteil jedoch auf Englisch. Die Themen wechselten aber nahezu mit jedem mal, wenn ich diesen Traum erneut träumte.

Schräg gegenüber von mir, an den Tischen im Mittelgang tauchte Liliana auf einmal auf. In einer Version des Traumes, war sie schon vorher dort und ich sah sie erst nicht. In einer anderen Version kam sie durch die Tür herein und ging mit ihrer Begleitung zum Tisch. Ich schaute häufiger mal rüber, was Iza und Wiktor leicht verwirrte, weil ich wohl teilweise mittendrin aufhörte zu sprechen. Ich überlegte was ich tun sollte. Da sie aber sehr deutlich sagte, dass sie mich nicht sehen will, versuchte ich mich weiter auf das Gespräch mit Iza und Wiktor zu konzentrieren. Irgendwann mittendrin kam sie auf einmal an unserem Tisch, schnurstracks auf mich zu und fragte mich "Entschuldige, aber kennen wir uns vielleicht? Ich habe irgendwie im Gefühl, dass wir uns kennen! Aber ich bin mir nicht sicher."

Wie anfangs erwähnt, war das ein Traum dessen Ende scheinbar offen war. Und so gab es immer so eine Art 'Schweigeminute' - wo ich Zeit hatte, mir eine Antwort zu überlegen. Es war nicht, wie 'normale Träume' wo die Antwort automatisch vom Unterbewusstsein geliefert wird, sondern ich konnte wirklich mit 'klarem Verstand' überlegen, was ich antworten möchte. Ich vermute, das ist einer der Gründe, warum der Traum fast immer kurz nach meiner Antwort abbrach und ich aufwachte - Wenn der Verstand wach ist, kann der Mensch nicht schlafen. In mehreren Versionen, vor allem in denen, wo ich sehr lange überlegte wie ich antworten soll, sagte Iza so etwas wie "Oh, er versteht unsere Sprache noch nicht so gut, vielleicht versuchst Du es mal auf Englisch." - Dabei verstand ich jedes einzelne Wort.

In manchen dieser Träume antwortete ich gar nicht und wachte auf. In anderen Fällen, sagte ich einfach nur "Nein, tut mir Leid!" - Aber in den meisten Fällen sagte ich "Nein, wir kennen uns nicht wirklich! Wir hatten mal Kontakt zueinander, aber wir hatten nie die Chance uns wirklich kennenzulernen!" - Bei dieser Version war es eigentlich immer so, dass sie nichts mehr sagte, nur sehr traurig guckte und wieder zu ihrem Tisch zurück ging. Als ich diesen Traum schon zig mal genau so träumte, war mir dann am Ende unwohl mit dieser Antwort und so wollte ich ihr hinterhergehen und mit ihr reden. Aber bevor ich sie überhaupt erreichen konnte, brach der Traum ab. Dieser Traum kehrte bis Anfang Februar 2015 immer und immer wieder. Es machte mich schon halb wahnsinnig, weil es sich ständig wiederholte. Dann kam ich wieder mit ihr per Mail in Kontakt und der Traum brach ab, für immer. Nebenbei erwähnt, benutzte ich das als Argument, warum ich sie wieder anschreibe. Nur dass ich ihr nicht erzählte, was sie sagte und wie ich antwortete. Ich schrieb ihr nur, dass sie in diesem Traum unglücklich aussah.

Was ich an diesem Traum nie verstanden hatte war, warum sie mich nicht erkannte. Sie weiss genau wie ich aussehe und sie wird es sicher nicht vergessen haben! Also warum war sie sich unsicher, ob wir uns kannten? Meine erste Theorie war, dass ich vielleicht anders ausgesehen habe, aber wie radikal anders müsste ich dafür aussehen!? Es ist ein bisschen schade, dass ich in keiner Version dieses Traumes in einem Spiegel gucken konnte.

Nun ist seit dem viel Zeit vergangen. Iza und Wiktor zeigten öfter auch Bilder aus anderen Städten und manchmal sogar aus anderen Ländern wie z.B. Italien. Seit einigen Tagen denke ich aber seltsamerweise wieder an diesem Traum. Und dann passierte etwas, was irgendwie als Scherz begann und mir dann schlagartig eine Frage beantwortete.

Wiktor zeigte mir ein neues Bild. Ich schaute es an und dachte nach. Wo kann das nur sein? Es war sehr Dunkel, man sah viele Blockhäuser, eine Kirche die ich irgendwie nicht zuordnen konnte und sonst nichts. Da seine letzten Bilder aus Danzig waren, dachte ich darüber nach, ob es vielleicht in Danzig war. Aber soweit wie ich die Stadt kenne, passte das irgendwie nicht. Vielleicht war er mit Iza in Katowice. Von den Häusern hätte Kato gepasst, aber da ich Kato fast wie meine Westentasche kenne, wurde mir schnell klar, dass das nicht Katowice ist. Nein… aber… das ist doch nicht Warschau, oder? Blitzartig schossen mir alle Bilder und Orte aus Warschau durch den Kopf, die ich kenne. Irgendwie passte nichts davon zu diesem Bild. Ein Gefühl sagte mir aber, dass es vielleicht doch Warschau sein könnte. Ich schrieb ihm eine Nachricht "ähm… sag mal… hast Du das Foto in Warschau gemacht? Nein, oder?" - "Doch natürlich ist es Warschau!" - "Wow, Du hast mich echt eiskalt erwischt! Das ist das erste mal, dass ich ein Foto aus Warschau sehe und nicht mal ansatzweise erkannt habe, dass es in Warschau ist. Das hat bisher noch keine Person geschafft :D Gratulation, Du hast ein Bier gewonnen!" - "Ich kann es kaum erwarten ein Bier mit Dir  zu trinken :)" - Wuh!? Es folgten ein paar PN's mit ihm und Iza.

Sollte es letzten Endes doch genau so passieren, wie in diesem Traum? Werde ich tatsächlich bald mit Iza und Wiktor, in einer Bar in Warschau, etwas trinken? Und wird sie, genau wie in meinem Traum, dort sein und mich fragen, ob wir uns vielleicht von irgendwoher kennen? Was das Treffen mit den Beiden angeht, lässt sich die Frage schon ziemlich eindeutig beantworten, zumindest wenn ich nach den Nachrichten von ihm gehe. Aber 2 Fragen bleiben noch übrig:

1. Wie werde ich dann aussehen? :D
2. Was soll ich ihr antworten?

Das Problem ist, dass ich immer noch denke, dass meine Antwort im Prinzip genau das wiederspiegelt, was ich denke: "Nein, wir kennen uns nicht wirklich! Wir hatten mal Kontakt zueinander, aber wir hatten nie die Chance uns kennenzulernen!" - Wenn aber all das tatsächlich genau so passiert, würde sie auch 'in Echt' traurig zu ihrem Platz zurückgehen.

Vor ein paar Wochen hab ich Wiktor und Iza mal erzählt, dass ich ohne sie diese Stadt niemals kennen und lieben gelernt hätte. Bevor ich mich entschloss in Warschau zu wohnen, fand ich diese Stadt bei meinem allerersten Besuch nämlich furzlangweilig. Heute weiss ich, dass es an den Leuten lag, mit denen ich dort war. Ich sah damals vielleicht 4 bis 5 % von der Stadt und dann auch noch die langweiligsten 4 bis 5 % ! Erst durch sie hab ich mich näher mit Warschau befasst und erst dadurch bemerkt, dass es für mich keine idealere Stadt gibt! Es gibt dort nahezu alles, was ich von einer 'perfekten Stadt' erwarte und das auch noch in einer aussergewöhnlichen, sehr inspirierenden Mixtur! Natürlich gibt es auch hässliche Ecken dort - Aber seien wir mal ehrlich, sogar die hübscheste Frau der Welt hat irgendwo einen Pickel oder eine winzige Narbe. Es gehört nun mal dazu! Ich versuche mir jetzt im Vorfeld schon mal eine Antwort zu überlegen - Für den Fall, dass alles tatsächlich so passiert. Ich hoffe, dass ich am Ende nicht so 'schockiert' bin, dass ich vergesse was ich sagen will :D

Die beste Reaktion wäre vermutlich, wenn ich sie anlächle, mich dann zu Wiktor und Iza drehe um zu sagen "Darf ich euch Liliana* vorstellen? Ohne sie hätte ich niemals wieder in erwägung gezogen, nach Warschau zu fahren! Und ohne sie würden wir hier heute nicht zusammen sein, weil sich unsere Wege niemals gekreuzt hätten!" und dann zu ihr auf Deutsch "Was ist!? Trinken wir jetzt endlich mal ein Bier zusammen?" :)

*Namen verändert

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